Viele Rassen und Kulturen haben im andalusischen Flamenco ihre Spuren hinterlassen. Zigeunerstämme, die Gitanos, wanderten bereits im 15. Jahrhundert in Spanien ein und brachten ihre musikalischen Wurzeln aus ihrer indischen Heimat und aus dem Orient mit. Sie spielten den cante jondo, den ursprünglichen Flamenco.
Das andalusische Volk fügte seine Rhythmen und Melodien dazu, die zum Teil arabischen Ursprungs waren (fandango, granaina, tatanta), oder aus den Psalmen der spanischen Juden (cante jondo) stammten, und noch früher aus der Zeit der byzantinischen Kirchengesängen (debla, seguiria).
Der Ursprung des Namens Flamenco soll mit den Krönungsfeierlichkeiten des Königs Karl I. von Spanien zusammen hängen. Der König kam aus Flandern, man rief zum Tanz zu Ehren des Flamen auf mit den Worten: Báilale al flamenco!
Zum Flamenco gehört nicht nur der Tanz (baile), sondern auch der mündlich von Generation zu Generation überlieferte Gesang (cante) und der mit den Händen geklatschte (palmas) Rhythmus. Das Spiel mit den Kastagnetten und mit der Gitarre (guitarra flamenca) bilden dazu ein Ganzes. In den so genannten cafés cantantes treten seit dem 19. Jahrhundert professionelle Sänger und Tänzer auf. Sie bewahren und ergänzen mit schöpferischen Impulsen den Flamenco, der somit bis heute weiterlebt und sehr beliebt ist.
Im Flamenco werden Gefühle und Lebenserfahrungen ausgedrückt und verarbeitet: verlorene oder unerreichbare Liebe, Lebensfreude, Tod, Angst, Leid und Ungerechtigkeit, Ernsthaftigkeit und Unterhaltung.
Der erdverbundene Tanz folgt im Wechselspiel zum Gesang mit strengen Regeln. Männer und Frauen tanzen normalerweise allein. Die Bewegungen des Oberkörpers, der Arme, Hände und Finger (floreos), ja selbst die Blickrichtung, drücken bestimmte Gefühle aus. Die leidenschaftliche, manchmal langsame, manchmal schnelle Musik verlangen viel Spannung und Ausdruckskraft.
Die Tänzer und Tänzerinnen tragen Schuhe mit Nägeln an den Absätzen um den Rhythmus zu schlagen. Die weiten Röcke der Frauen umspielen die Bewegungen und werden effektvoll eingesetzt.
Typische Figuren des Flamenco-Tanzes heissen Castellana, Escobilla, Desplante, Llamada und Pata.